Dies ist keine Soldatenloge! Es geht auch nicht einfach darum, freimaurerisch zu arbeiten. Diese Loge wendet sich an alle Brüder und an alle Suchenden, die sich für den Themenkomplex „Demokratisch verfasstes Militär im 21. Jahrhundert und seine Verantwortung“ interessieren, ausgehend von dem Bewusstsein, dass es ohne Übernahme von Verantwortung keine Freiheit geben kann. Die Einladung zur Mitgliedschaft richtet sich nicht nur an Uniformträger. Natürlich wendet sie sich nicht zuletzt an die Militärs aller Nationen am Standort Deutschland, aktiv, d.R. oder a.D. Die Verantwortung des Einzelnen für die Gemeinschaft, die Stärkung verantwortlichen Handelns eines mündigen Bruders dort wo er steht, notfalls im Gegensatz zu wohlfeiler öffentlicher Meinung, ist das Ideal, dem die Brüder dieser Loge folgen. Konsequent bis zum Äußersten ist Oberst i.G. Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim diesem Prinzip gefolgt, in schwerster Zeit. Deshalb und weil aus dem Denken und Handeln der militärischen Fronde, an der er zentral und bekennend beteiligt war, die modernen deutschen Streitkräfte unserer Tage entwuchsen, trägt unsere Loge diesen Namen; nicht um Albrecht Mertz nachträglich zum Bruder Maurer zu machen, sondern sein Andenken zu pflegen. Sein Beispiel skizziert die Form des Steins, den wir dem rohen abringen wollen.

Auch diese Loge ist als Hort der Begegnung frei von jeglichen politischen und religiösen Ambitionen. Politik und Religion als Felder brüderlichen Zwistes sind unter Freimaurern unerwünscht, gleichwohl sie als Themen, als Ursprung elementarer Erkenntnis unverzichtbar sind. Weder ist die Zugehörigkeit zu einer Religion oder zu einem Bekenntnis Voraussetzung zur Mitgliedschaft, noch berührt die Freimaurerei persönliche Überzeugungen oder Konfessionen. Eine Schule des Denkens schließt jede Weltsicht ein, sofern sie sich dem Prinzip der Akzeptanz des Andersdenkenden unterordnet. Ihre Caritas gilt den Hinterbliebenen der gefallenen deutschen Soldaten unserer Tage. Bei uns liegen manche Dinge anders als bei klassischen Freimaurerlogen. Einmalig ist aber nur die Hinwendung zur Geschichte des militärischen Widerstands im III.Reich und, daraus abgeleitet die Doktrin, eine freiheitliche Gesellschaftsordnung sei nur überlebensfähig, wenn sie wehrhaft ist.

„Vigilia Pretium Libertatis“, Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit, ist der zweite Wahlspruch.
Ihn teilen wir mit unserer Potsdamer Schwesterloge. Bei den Freimaurern ist dieser Wahlspruch des NATO-Hauptquartiers SHAPE in Brüssel deshalb so gut aufgehoben, weil sie per se außer Verdacht sind, im Militär etwas anderes als eine libertär-humanitäre Dimension zu sehen. Die Ausbreitung der Idee von Freiheit und Mitmenschlichkeit unter dem Schutze unserer und der Waffen unserer Verbündeten, ist ein sehr schönes Ideal. Das ist etwas grundlegend anderes als „unter Waffengewalt“. In unserer pazifistischen deutschen Gesellschaft ist der Unterschied kaum vermittelbar. Wir tun uns schwer mit dem Begriff „Krieg“. Er ist das Unwort schlechthin. Ausgeblendet wird dabei, dass wir vom Schutz unserer Handelswege elementar abhängen und weltweit vernetzt sind, nach überall hin. Know-how und Welthandel sind unser Lebenselixier. Handel wiederum betreibt man am besten mit stabilen Staaten, deren freiheitliche Entwicklung oft weit hinter unserer eigenen liegt, aber auf dem Wege ist. Als viertgrößte Volkswirtschaft der Erde sind wir obendrein stets gefährdet. Als Rohstoffbasis besitzen wir selbst nichts als Hirn und Müll. Egal wo Sie hinsehen in der Geschichte der Völker. Die Idee von „Freiheit und Mitmenschlichkeit“ ist nicht korrumpierbar. Die Frage lautet nicht, ob diese Idee siegt sondern wann, und zu welchem Preis. Der Preis bemisst sich leider immer in Blut. Wenn freiheitlich verfasstes Militär die Option besitzt, diesen Preis herabzusetzen, warum sollte es das nicht tun ?

Dabei kann es zur Anwendung von Waffen kommen, zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Nur weil diese von 70% unserer Mitmenschen in Deutschland abgelehnt werden und man also nicht hinguckt, kann man diese kriegerischen Auseinandersetzungen aber nicht vermeiden. Solange es als modern und aufgeklärt gilt, Dinge und Zusammenhänge auszublenden und zu negieren, die einem als Wirklichkeitunangenehm sind, sind wir erpressbar. Al Qaida und IS spielen mit unseren Ängsten, und, ja, wie soll man es auch anders nennen:
Mit der Feigheit unserer Mehrheitsgesellschaft.

Henning von Tresckow, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim, Ludwig Beck, Friedrich Olbricht, Werner von Haeften, Caesar von Hofacker…..,allesMänner, denen solche Feigheit fremd war. Es ist die selbe Art von Feigheit. Von ihr leben die gewaltbereiten Nationen und alle Diktatoren. Diese Feigheit, der Pazifismus ohne die Option auf Selbstverteidigung, ist aber eine wesentliche Zutat zum Krieg selbst, nicht nur zum Phänomen unserer Tage, der militärisch asymmetrischen Auseinandersetzung. In unserer „Bauhütte“ geht es um den bewaffneten Pazifismus, darum, jenem Denken Raum zu verschaffen, das die Frauen und Männer vom 20.Juli 1944 hat handeln lassen, ohne reale Aussicht auf Erfolg, mit der Gewissheit, von der Mehrheit der Deutschen nicht verstanden zu werden und ohne jede Aussicht auf Belohnung oder auch nur Anerkennung. Als Freimaurer versucht man sich in freiem Denken. “Frei” bedeutet “frei von Vorurteilen”.

Es ist unmöglich, das als Ziel insgesamt zu erreichen. Es ist auch nicht wünschenswert. Unsere Vorurteile entstammen unserer Prägung. Sie sind Ergebnis unserer unterschiedlichen Stufen der Sozialisation. Der Katalog unserer Vorurteile besteht aus Instinkten und Erfahrungen, zumeist negativen Erfahrungen. Ein Mensch fremder Hautfarbe, fremder Gesichtsstruktur und fremder Sprache stellt seit Millionen von Jahren eine Bedrohung dar, eine Mehrheit solcher Menschen eine große Gefahr. Xenophobie, Fremdenfeindlichkeit zum Beispiel, ist nicht einfach ein Vorurteil sondern ein Instinkt, ein ebenso Leben erhaltender wie Höhenangst. Es ist nicht sinnvoll, einem Menschen das abzugewöhnen. Eine typisch freimaurerische Denkhaltung ist also nicht die Abschaffung von Vorurteilen und Instinkten sondern ein sich bewusst machen, dass man unter ihrem Einfluss steht. Mit einem Quäntchen Selbstdistanz kann man dann versuchen, einen anderen als den ererbten, angeprägten und anerzogenen Standpunkt einzunehmen und die Position seines humanen Gegenübers verstehen lernen. Das Ziel ist nicht, Angst vor Fremden durch eine vorurteilslose Fremdenliebe zu ersetzen. Die den Vorurteilen und Instinkten geschuldete Wachsamkeit würde durch Wehrlosigkeit ersetzt. Da man als humanes Wesen wissen sollte, dass das auf Dauer schief geht, üben sich Freimaurer in differenziertem Denken. Das passt recht gut zu unserem Demokratie- und Gesellschaftsmodell, und unterschiedlich gut zu seiner Umsetzung im gelebten Alltag.Menschen begegnen sich grundsätzlich hinter dem Schutz ihrer Fassaden. Alles andere kann man nicht ohne weiteres empfehlen.

Im geschützten Raum eines Freimaurertempels aber kann man qua Konvention den Versuch unternehmen, Schritt für Schritt den Blick hinter seine eigene Fassade zu erlauben, um im Gegenzug Einblick in das Menschenbild des Gegenübers zu erhalten. Manch eingespielte Loge tut sich schwer, neue Mitglieder zuzulassen, weil der Prozess einer komplexen Integration jedes mal von neuem beginnt.

Bijou
 

“Abbildung einer Freimaurerloge aus einer “Verräterschrift” um 1760″
Seine Fassade am Kleiderständer vor dem Tempel abzugeben will nämlich gelernt sein. Der Ausweg ist eine schrittweise Integration, eine Aufnahme in den Kreis der “Fassadenlosen” in drei Stufen über einen mittelfristigen Zeitraum. Die Lehre vom vorurteilsfreien Denken wird nicht in der Form eines Unterrichts oder Lehrgangs vermittelt, sondern durch das Zusammenleben der Brüder in ihrer Gemeinschaft, vollzogen in regelmäßigen Treffen. Das freimaurerische Ritual gibt Sicherheit. Es schafft Raum für die freie Selbstäußerung ohne Widerrede. Diese Selbstäußerung in Form von Reden – in Anlehnung an die Tradition der Bauhütten der spätmittelalterlichen sakralen Werkmaurer auch “Zeichnung” genannt – wird niedergeschrieben, kann nachgelesen werden und steht außerhalb des Tempels, aber nur innerhalb der Bruderschaft, zur freien Diskussion. An der Rückmeldung der Brüder kann man ermessen, wie weitman es mit seiner Vorurteilslosigkeit gebracht hat. Sprich:
Das Ziel der Freimaurerei besteht nur in der gegenseitigen Anregung zur Selbsterziehung.

 

Immanuel Kants Aufforderung, sich der selbstverschuldeten Unmündigkeit zu entledigen und zu ganz eigenen mündigenEntscheidungen zu kommen, beschreibt das Wesen der Freimaurerei schon sehr präzise. Nun kann man, wie gerade unsere Geschichte lehrt, auch vorurteilsfrei töten. Man erklärt eine bestimmte Gruppe von Menschen zu Nichtmenschen und stellt als Konvention die Möglichkeit in den Raum, das Vorurteil einer Tötungshemmung müsse beiseite geräumt werden, um die eigene Gesellschaft von diesen “parasitären” Nichtmenschen zu befreien,als Mildtat am eigenen Volke. Dieses Muster wurde in der Vergangenheit vielfachgelebt, mit Abermillionen von Todesopfern, leider gerade auch unter deutschem Vorzeichen. Das “freie Denken”der Brüder Freimaurer dient – und das ist nicht verhandelbar- der Beförderung der Humanität, des menschlichen Miteinanders, möglichst ohne seine eigenen, im Grunde ja immer durch massive Triebe verursachten Interessen zu verfolgen. Das ist ein aufregendes Experiment. Wie bei allen anderen Experimenten auch, lernt man vor allem durch das Misslingen im Einzelfall. Über unvermeidliche Enttäuschungen hin weg dennoch nicht den Glauben an die großen Möglichkeiten der Freiheit und ihrer notwendigen Denkmodelle zu verlieren, stellt im Kern die Erziehung zum modernen aufgeklärten Freimaurer dar. Menschen, denen das gelingt, nimmt man nicht selten als “besonders” wahr. Das kann man ohne Zweifel auch ohne Freimaurerei erreichen. Wenn man einen solchen Weg aber einschlagen möchte, ist man gut beraten, sich Weggefährten zu suchen.

 

Und als solche bieten wir uns an.